Das Titelthema dieses Monats ist für viele Leser dieser Publikation von besonderem Interesse. Die Presbyopiekorrektur in der Kataraktchirurgie ist zu einem der meist diskutierten Themen in unserem Fachgebiet geworden. Eine Vielzahl von IOL-Lösungen, die die Brillenabhängigkeit verringern sollen, sind auf den Markt gekommen. Die ophthalmologische Industrie unternimmt große Anstrengungen, um diese presbyopieerleichternden IOLs zu vermarkten. Es gibt eine große Auswahl an refraktiven, diffraktiven, vermutlich akkommodierenden und hybriden IOLs, die unseren Patienten eine angemessene Sehleistung und eine geringere Brillenabhängigkeit bieten. Die Vor- und Nachteile der einzelnen IOL sind jedoch unterschiedlich. Es gibt keinen kurzen Überblick über die Komplexität von IOL zur Presbyopiekorrektur – Chirurgen müssen so komplexe Aspekte wie Sehschärfendaten, Kontrastempfindlichkeit, Lichtverteilung, Abhängigkeit von der Pupillengröße, Zentrierungsabhängigkeit, Kippempfindlichkeit, Nahfokusentfernung, die Möglichkeit, verschiedene Technologien und/oder Fokuslängen zu kombinieren, Dysphotopien, die Verfügbarkeit einer gleichzeitigen torischen Korrektur und die Lebensgewohnheiten und Anforderungen der Patienten verstehen. All diese Bereiche spielen eine wichtige Rolle bei der Bewertung der Qualität und des Nutzens jeder IOL.

Es gibt natürlich auch finanzielle Konsequenzen. In Europa variiert die Gesetzgebung in Bezug auf die Kostenerstattung und die Möglichkeiten der Zuzahlung von Land zu Land sehr stark. Bei der Umstellung auf eine stärker refraktiv ausgerichtete Kataraktchirurgie fällt es vielen Chirurgen schwer, die erforderliche Logistik zu übernehmen, einschließlich der Beschaffung von Patienteninformationen, der Durchführung von präoperativen Untersuchungen, der Zuweisung von Behandlungszeit und der Erläuterung zusätzlicher Kosten. In unserer eigenen Klinik sind wir gerade dabei, unsere traditionelle (altmodische) Praxis in eine stärker kundenorientierte refraktive Kataraktpraxis umzuwandeln. Dies erfordert viel Zeit und Engagement von Chirurgen und Mitarbeitern.

Aber wie passt die Monovision in diese Diskussion?

In unseren Schwerpunktartikeln wird die Monovision als eine weit verbreitete Strategie bei der Korrektur von Kontaktlinsen, der refraktiven Laserchirurgie und der Kataraktchirurgie beschrieben. In ihrer Einleitung beschreiben Dr. Carlos Vergés und Dr. Lourdes Ruiz, warum jetzt ein guter Zeitpunkt ist, die Debatte über Monovision neu zu eröffnen. Es folgen Beiträge von Ronald R. Krueger, MD, MSE; Bruce J. W. Evans, BSc (Hons), PhD, FCOptom, DipCLP, DipOrth, FAAO, FBCLA; und Graham D. Barrett, MD, FRACO, die beschreiben, wie Monovision in ihren persönlichen Fachgebieten eingesetzt wird. Dr. Barrett beispielsweise befürwortet die Monovision als seine bevorzugte Option für Patienten, die eine geringere Brillenabhängigkeit anstreben und eine bescheidene Myopie von 1,25 D anstreben. Er betont die Bedeutung der Fehlsichtigkeit zwischen den beiden Augen.

Die so genannte Mini-Monovision von -0,50 D ist sowohl in der refraktiven als auch in der Kataraktchirurgie weit verbreitet, manchmal in Verbindung mit IOLs zur Verringerung der Presbyopie, und hat sich bei vielen Patienten als erfolgreich erwiesen – wenn auch oft nur in begrenztem Umfang. Echte Monovision, die auf eine Myopie von 2,00 D abzielt, hat ihre eigenen Grenzen und erfordert eine erhebliche neuronale Anpassung. Dennoch verwenden viele Chirurgen regelmäßig eine Art von Monovision in unserer Kataraktpraxis. Dr. Barrett beschreibt seinen systematischen Ansatz, in allen Fällen eine modifizierte bescheidene Monovision für das zweite Auge anzubieten. Dies ist eine interessante Strategie, die von allen Kataraktchirurgen ernst genommen werden sollte. Wie können wir eine solche Strategie in Kombination mit dem Angebot von multifokalen IOLs einführen? Für die Patienten ist es schwierig, die Vor- und Nachteile einer bestimmten Lösung vollständig zu verstehen. Auch für Chirurgen ist es zeitaufwändig, die Vor- und Nachteile aller verfügbaren Optionen zu erläutern. Die Patienten verlassen sich oft auf das Fachwissen und das Urteilsvermögen ihrer Ärzte, wenn es um die beste Wahl für ihre persönliche Situation geht. Erschwert wird diese komplexe Diskussion durch den finanziellen Aspekt der IOL-Preise und der Sitzungszeit sowie durch die unterschiedlichen Erstattungssysteme in den verschiedenen Ländern.

CRST Europe wird Sie laufend mit Informationen über IOL-Technologien sowie über Fragen der Praxisentwicklung versorgen, die in der modernen Kataraktchirurgie immer wichtiger werden. Wenn Sie eine Idee oder einen Beitrag haben, senden Sie bitte einen Leserbrief an uns. Wir freuen uns über jedes Feedback.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.